Stadtwappen

      

Der Geopark Leipzig

 

 

 

Bei einem Spaziergang durch das parkartige Freigelände der neuen Leipziger Messe sind die zahlreichen großen Steine, die meist in die Landschaftsgestaltung einbezogen wurden, nicht zu übersehen. Sie kamen bei den umfangreichen Erdarbeiten für den Bau der Messeanlage in den Jahren 1993 bis 1996 zu Tage. Diese als Findlinge bezeichneten Steine sind geologische Zeugen der Eiszeit.

 

 

 

 

 

Die Eiszeit

  Südgrenze des saaleeiszeitlichen Gletschers
Südgrenze des saaleeiszeitlichen Gletschers

 

Eiszeiten, auch Glazial- oder Kaltzeiten genannt, hat es im Verlauf der Erdgeschichte wiederholt gegeben. Auch in jüngster geologischer Vergangenheit, vor etwa 15. 000 bis 1,5 Mio. Jahren, verursachten mehrfache Klimaschwankungen einen Wechselvon Kalt- und Warmzeiten. In den Kaltzeiten wurden jeweils große Teile Nord- und Mitteleuropas von mächtigen Eismassen überdeckt.

 

Glaziale Serie

 

Der letzte Eisvorstoß, der vor 150.000 Jahren von Skandinavien aus auch den Leipziger Raum erreichte, wird Saale-Eiszeit genannt.
Das Gletschereis hatte auf seinem Weg nach Süden große Mengen Gesteinsschutt und -brocken in Skandinavien und allen über-schobenen Gebieten abgehobelt. Das Gesteinsmaterial (Geschiebe) wurde mit dem Eis teilweise über 1.000 km weit transportiert, dabei zerrieben, abgerundet und abgeschliffen. Die Geschiebe sind meist aus Skandinavien stam-mende Granite und Gneise, die bis zwei Milliarden Jahre alt sein können; untergeordnet treten Sedimentgesteine und Vulkanite auf.

 

Das Eis als Landschaftsgestalter

Als das Eis durch die Klimaerwärmung abschmolz und sich langsam, unter-broch en durch kleine Vorstöße oder Stillstandsphasen, nach Norden zurück-zog, blieb die mitgebrachte Gesteins-fracht liegen und das Eis hinterließ eine charakteristische Landschaft: An den Eisrandlagen entstanden langgestreckte, kuppige Endmoränenzüge, im Bereich der ehemaligen Eismassen die flach-wellige Grundmoräne mit Geschiebemergel bzw. -lehm und zahlreichen Geschieben sowie vor dem Eisrand die Sander mit Ablagerungen von Schottern und Sanden, die durch das Schmelzwasser hierher verfrachtet wurden.

 

 

 

Standort 1:
Rund um den Teich lagern hauptsächlich Granite und Gneise aus Skandinavien. Die hellgrauen Quarzite entstanden in der Braunkohlenzeit; das Eis hat sie aus dem mitteldeutschem Raum hierher transportiert.

 

 

Standort 2:

Der helle Granitfindling hat ein Gewicht von ca. 4,5 t und weist eine markante, tischartige Form mit Gletscherschrammen auf. Er stammt aus Südschweden.

Die Landschaft des Leipziger Raumes wurde durch das Wirken und die Ablagerungen des Gletschereises geprägt. Hier im Messegelände befinden wir uns im Bereich einer flachwelligen Grund-moräne, während nordöstlich von Taucha die Hügel einer Endmoräne (z. B. Schwarzer Berg) das Gelände überragen.

Steinerne Zeugen der Eiszeit sind auch im Stadtgebiet von Leipzig anzutreffen. So wurden sechs große Findlinge als Naturdenkmale ausgewiesen; viele Steine haben ihren Platz in Grünanlagen gefunden; im Südosten Leipzigs (Stötteritz) wurde 1903 aus ca. 550 Findlingen eine Gletschersteinpyramide errichtet; neben dem Naturkundemuseum sind mehrere große Steine angeordnet. Findlinge wurden als Mauersteine (z. B. bei der ca. 800 Jahre alten Kirche in Thekla), Gedenksteine, Straßenpflaster und verkehrsabweisende Poller verwendet.

Schon immer rätselten die Menschen über die Herkunft und den Transport der Findlinge. Märchen und Sagen ranken sich um markante Steine. Carl Friedrich Naumann, ein Geologe der Leipziger Universität, deutete im Jahre 1844 die vielen Schrammen und Rillen auf den auch meist abgerundeten Porphyrfelsen in den Hohburger Bergen als Glet-scherschliffe eines aus dem skandi-navischen Raum bis nach Sachsen vorgestoßenen Gletschers. Aber erst ab 1875 wurde diese Vereisungstheorie für außeralpine Räume allgemein anerkannt.

 

 

 

Standort 3:
Ein kleiner Einblick in die Vielfalt der eiszeitlichen Ge-schiebe: Die Gesteine aus Schweden, Nor-wegen, Finnland und Dänemark sind Granite und Gneise sowie ein Sandstein und ein kristalliner Kalkstein (Marmor). Das Alter der Gesteine liegt zwischen 1,7 Mrd. und 270 Mio. Jahren.

 

 

Standort 3:
Åland-Rapakivi aus Finnland

Mitarbeiter des Institutes für Geophysik und Geologie der Universität Leipzig hatten die Idee, auf dem Messegelände mit vorhandenen Steinen und einigen Findlingen aus der näheren Umgebung einen Geopark zu gestalten. Mit finanzieller und technischer Unterstützung vieler Förderer konnte der Geopark im April 1999 eröffnet werden.

An vier Standorten des weitläufigen Messegeländes wurden die Findlinge aufgestellt und mit erläuternden Tafeln in deutscher und englischer Sprache versehen.

 

 

 

Standort 3:
Drei Geschiebe zeugen von der Arbeit des Eises, des Wassers und des Windes während der Eiszeit: Windkanter, entstanden im Gletschervorland durch starke, sandführende Winde (l.), Findling, der durch den Transport im Wasser abgerundet wurde (m.), Gletscherschliff (r.)

 

 

Standort 4:
Der schwerste Brocken mit einem Gewicht von ca.6,2 t, ein skandinavischer Augengneis.

 

 

Standort 4:
Dieser Findling wiegt ca. 5,3 t und ist ein skandinavischer Schlierengneis.

 

Standort 4:
Migmatit aus Skandinavien mit einem Gewicht von ca. 5,6 t.

Legende:

 

  Findlingslandschaft

Parkplatz

  "Schwedischer Granittisch"

Straßenbahn Linie 16

  Findlingsarten  
  Park der "Giganten"  

Autor und Fotos:    Gerwalt Schied
img und Design:     Gerlind Schied



Stand: Januar 2002

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Kontakt:

G. Schied, A. Beser, A. Grimmer

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